Für zwei Tage war Nürnberg erneut der Dreh- und Angelpunkt der deutschsprachigen Dialogmarketing-Szene: Die mailingtage am 8. und 9. Juni 2011 waren zugleich Fachmesse, Weiterbildungsangebot und Networking-Event. Auch ich habe den ersten Messetag genutzt, um zu erfahren, was die Branche bewegt und um alte Kontakte zu treffen. Die Leitveranstaltung für den Kundendialog im europäischen Raum gab wieder einmal interessante Impulse für die Kundenansprache der Zukunft.

Online-Marketing liegt weiter im Trend
Auch die diesjährigen Mailingtage konnten sich dem Zwang nach noch mehr Information zu Online-Marketing und der weiteren Befeuerung dieses Marketingtrends nicht entziehen. Um die Bedeutung von Facebook & Co. für das moderne Marketing zu unterstreichen, wurde gar eine „Social Media Area“ in den Ausstellungshallen eingerichtet. Nach meiner Beobachtung wurde dieses Angebot auch sehr gut angenommen. Leider reichte die Beschallung nicht aus, um den zahlreichen „Freunden“ das Verstehen der Vorträge auf dieser Fläche zu ermöglichen. ONEtoONE hat einen ähnlichen Eindruck:
„Auf der Social-Media-Area sind sämtliche Hocker fast durchgehend besetzt und auch in den Gängen drängen sich die Besucher. Es herrscht offenbar ein großes Informationsbedürfnis über die Chancen und Risiken der sozialen Netzwerke bei den Unternehmen und Dienstleistern.“
Zu Beginn wollte ich mich allerdings mit einem speziellen Thema des Online-Marketings, der Augmented Reality, auseinander setzen. Das Morgen-Programm des parallel zur Messe laufenden Kongresses hatte dafür eine eigene Session eingerichtet. „Digital Gurus“ wie Ossi Urchs und andere Werbetreibende berichteten über heute schon mögliche und zukünftig denkbare Anwendungen dieser kombinierten Nutzung von Standorterkennung, Nachschlagewerk und Individualnutzen.
Augmented Reality als neues Hype-Thema im Kundendialog?
Spannend für einen vertiefenden Einsatz im Multichannel-Marketing sind aus meiner Sicht die Möglichkeiten der Kombination stationärer Dienstleistung und Webpräsenz. Gerade für die Stationär-Händler und Dienstleister vor Ort bietet sich bei geschickter Platzierung (aktuell nur bei Google) die Möglichkeit, dem Smartphone-Nutzer und potenziellen Kunden den Weg ins Geschäft zu erleichtern. Mit einer für diese Anwendung hinterlegten Bewerbung kann der digitale Filialfinder per Smartphone nicht nur die Filiale, sondern auch die aktuellen Top-Angebote anzeigen. Wer diesen Weg nutzt, kann sich als Dankeschön ein besonderes „Goodie“ im Geschäft abholen.
Auch den virtuellen Spiegel zur Kleider-Ansicht zu Hause halte ich für interessant und absatzfördernd. Ob das dann aber die Retouren senkt oder die Facebook-Freunde der Kundin als Berater zur Seite stehen und mitentscheiden, halte ich bei den Durchschnittsbons für Bekleidung im Netz doch für sehr gewagt. Daneben ist nicht zu vergessen, dass die Kunden dem Eindruck erliegen sollen, sie könnten so aussehen wie die abgebildeten Models. Wenn wir ihnen diese Illusion schon vor der Bildung des Kaufwunsches („Desire“ aus AIDA-Formel) nehmen, mögen die Frust-Retouren sinken, der Absatz dürfte aber ebenfalls überproportional zurückgehen.
Rolf Buchholz, Geschäftsführer von KEY VALUES, hat die Möglichkeiten der Augmented Reality in seinem Vortrag anschaulich zusammengefasst:
- Marken und Stores werden auffindbar gemacht und dorthin navigiert
- Mobile Coupons werden eingescannt und anschließend eingelöst
- Print-Broschüren und -Anzeigen werden multimedial nutzbar
- Markenwelten können visuell dargestellt und erlebbar werden
- Erklärungsbedürftige Produkte werden transparent und zugänglich gemacht
- Zusätzliche (Marken-)Services / Informationen wären „on demand“ abrufbar
- Marken können spielerisch und interaktiv erlebbar werden
- Zielgruppenspezifische Steuerung und Inszenierung von Werbebotschaften
- Interaktives Window-Shopping schafft Aufmerksamkeit und Shop-Frequenz
In vielen Forenvorträgen habe ich hören dürfen, dass auch im Online-Marketing und dort auch im Web 2.0 die Zielsetzung vor der Maßnahmenentscheidung stehen sollte. Facebook ist genauso wichtig wie das angestrebte Ziel, das ein Unternehmen mit Social Media Marketing erreichen will.
Es geht nicht um die Technik, sondern um den Dialog
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die immer weiter fortschreitende Verknüpfung von Kommunikations-Instrumenten und Marketinganwendungen. Ein Beispiel: Newsletter-Inhalte auf die Firmenseite in Facebook zu stellen, macht durchaus Sinn. Hierdurch wird die Aktualität der Seite gefördert und – bei gut gemachten Newsletter – ein Kaufanreiz in Facebook transferiert. Umgekehrt kann die Abbildung eines Fensters mit der aktuellen Facebook-Kommunikation das Image und die Wertigkeit eines Newsletters unterstützen. Das bedeutet aber auch, dass die Inhalte auf Facebook zum Zeitpunkt des Newsletter-Versandes außerhalb der Kontrolle des Unternehmens liegen. Doch auch das gehört zum echten Dialog mit den Kunden – hier gibt es kein Netz und keinen doppelten Boden. Aus diesem Grunde sind die Impulse der mailingtage und anderer Veranstaltungen wieder einmal so wichtig, um sich mit dieser neuen Form der Kommunikation vertraut zu machen.